Verzicht
Verzicht bedeutet, dass eine beanspruchbare Versorgung ohne Gegenleistung entfällt. In der Regel wird auf einen Teil der Versorgung verzichtet. Da für die Versorgung – mitunter über Jahrzehnte hinweg – steuermindernde Pensionsrückstellungen gebildet wurden, gefällt es dem Fiskus natürlich nicht, wenn Teile der nachgelagert zu versteuernden Versorgungsleistungen entfallen.
Die entfallenden Versorgungsleistungen erhöhen (zunächst theoretisch) den Wert des Unternehmens und damit den Wert der Anteile des Gesellschafter-Geschäftsführers. Das Finanzamt kann diesen Verzicht als verdeckte Einlage werten.
Das hat zur Folge, dass auf der Ebene des Gesellschafter-Geschäftsführers ein zu versteuernder Zufluss vorliegt. Es ist davon auszugehen, dass dieser Zufluss sich daran bemisst, zu welchem Preis die Absicherung der Differenz gekauft werden kann, und zwar bei einem Lebensversicherer.
Für eine sofort beginnende Rentenversicherung von 3.500 EUR monatliche, also 42.000 EUR jährliche Altersrente mit 60% Witwenrente für einen 65-jährigen Mann mit seiner 60-jährigen Ehefrau verlangt das Versicherungsunternehmen einen Einmalbeitrag von ca. 975.000 EUR. Das ist ungefähr ein Faktor von 23,2 — gerechnet auf die jährliche Versorgung.
Wird die Versorgung um beispielsweise 1.500 EUR monatlich, also 18.000 EUR jährlich, reduziert, würde der zu versteuernde Betrag 417.600 EUR betragen (18.000 * 23,2). Die Steuerlast bemisst sich nach dem persönlichen Steuersatz. Bei 35 % wären 146.160 EUR Steuern zu zahlen.
Gibt es einen Ausweg?
Wenn noch anderweitige Mittel einsetzbar sind, sollten diese privat in die Firma eingelegt werden. Wenn definitiv keine Mittel da sind, um den Verzichtsteil "zu kaufen" und wenn ohne Verzicht eine Überschuldung - Insolvenzgefahr - gegeben wäre, dann kann sich das Finanzamt bereit erklären, keine verdeckte Einlage zu sehen.
Aber: Vor Gericht, auf hoher See?
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Kapitalabfindung
Kapitalabfindung bedeutet, dass eine beanspruchbare Versorgung gegen Zahlung eines Kapitalbetrages entfällt beispielsweise in Höhe des Heubeck-Barwerts. Hier sehen wir einen Grund dafür, dass häufig Kapital-Rückdeckungsversicherungen für Rentenzusagen abgeschlossen wurden. Die Ablaufleistung sollte den Heubeck-Barwert abdecken.
Sollten Sie sich anstelle der Alters- und Hinterbliebenenversorgung aus der Pensionszusage für die Kapitalabfindung entscheiden, empfehlen wir, zumindest eine Kompromisslösung zu wählen, und zwar steuerliche Vorteile zu nutzen und gleichzeitig ein bisschen Alters- und Hinterbliebenenversorgung zu retten.
Schauen Sie sich bitte folgendes Beispiel an:
Vorgaben:
Beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer, 65, verheiratet, Kirchensteuer 9 %, beendet in 2009 seine Geschäftsführer-Tätigkeit und erhält eine Kapitalabfindung in Höhe von 250.000 EUR. Sein zu versteuerndes Einkommen beträgt im Jahr der Abfindung (2009) insgesamt 50.000 EUR, davon 35.000 EUR Geschäftsführer-Vergütung.
1. Steuerlast, wenn keine außerordentlichen Einkünfte nach § 34 (2) EStG gegeben sind:
| Kapitalabfindung |
ohne Vorteile |
EkSt |
Soli |
Ki-St. |
| zu versteuerndes Einkommen |
50.000,00 |
|
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|
| Kapitalabfindung |
250.000,00 |
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| zu versteuern |
300.000,00 |
|
|
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| Steuerlast |
126.146,94 |
110.172 |
6.059,46 |
9.915,48 |
2. Steuerlast, wenn bei den außerordentlichen Einkünften die 1/5-Regelung nach § 34 EStG zu berücksichtigen ist:
| Kapitalabfindung |
1/5 nach § 34 EStG |
EkSt |
Soli |
Ki-St. |
| zu versteuerndes Einkommen |
50.000,00 |
|
|
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| Steuer hieraus |
9.780,59 |
8.542,00 |
469,81 |
768,78 |
| 1/5 der Kapitalabfindung |
50.000,00 |
|
|
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| zu verst. Ek + 1/5 Kapitalabfindung |
100.000,00 |
|
|
|
| Steuer hieraus |
29.989,84 |
26.192,00 |
1.440,56 |
2.357,28 |
| Differenz der Steuerbeträge |
20.209,25 |
|
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| Differenz der Steuerbeträge*5 |
101.046,25 |
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| Steuerlast insgesamt |
110.826,84 |
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3. Steuerlast, wenn er die steuerlichen Vorteile des § 34 EStG (1/5-Regelung) und der so genannten „Rürup-Förderung“ nutzt:
Da die Ehefrau nicht rentenversicherungspflichtig ist, könnte insgesamt ein Beitrag von 40.000 EUR (2*20.000) eingesetzt werden. Da es sich um einen beherrschenden GGF handelt und im Jahr der Kapitalabfindung eine Anwartschaft auf betriebliche Altersversorgung besteht, ist der ?Rürup-Beitrag beim um 19,9 % der Geschäftsführer-Vergütung zu kürzen, maximal um 19,9 % der BBG gRV Ost (in 2009 54.600 EUR). Geschäftsführer-Vergütung insgesamt 35.000 EUR, also geringer als BBG gRV Ost. Kürzung um 35.000*19,9%= 6.965,00 EUR.
Der einsetzbare ?Rürup-Beitrag? ist somit 33.035,00 EUR.
| Kapitalabfindung |
1/5 nach § 34 EStG + Rürup |
| zu versteuerndes Einkommen |
50.000,00 |
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| Beitrag für „Rürup-Vertrag“ (Basis-Rente) |
33.035,00 |
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| >steuerwirksame Quote in 2009 |
68,00% |
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| Reduzierung des zu versteuernden Einkommens um |
22.463,80 |
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| zu versteuern verbleibt |
27.536,20 |
|
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|
| Steuer hieraus |
2.805,24 |
2.476,00 |
106,40 |
222,84 |
| 1/5 der Kapitalabfindung |
50.000,00 |
|
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| zu verst. Ek + 1/5 Kapitalabfindung |
77.536,20 |
|
|
|
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Steuer hieraus
|
20.099,33 |
17.554,00 |
956,47 |
1.579,86 |
| Differenz der Steuerbeträge |
17.294,09 |
|
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|
| Differenz der Steuerbeträge*5 |
86.470,45 |
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| Steuerlast insgesamt |
89.275,69 |
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4. Was zahlt er für die Basis-Rente tatsächlich?
| Nettoaufwand für Basisrente |
|
| Beitrag |
33.035,00 |
| Steuerlast bei 1/5-Regelung |
110.826,84 |
| Steuerlast bei 1/5-Regelung + Rürup |
89.275,69 |
| Ersparnis |
21.551,15 |
| Nettoaufwand für Basisrente |
11.483,85 |
5. Ein Betrag von 33.035 EUR ?brutto? und ca. 11.500 EUR ?netto? kann folgende Alters- und Hinterbliebenenversorgung bringen*:
Altersversorgung
| Hochrechnung Altersrentenleistungen RV70** |
|
Hochrechnung Altersrentenleistungen RV70**
|
|
jährlich |
jährlich |
|
garantiert |
gesamt |
| 66 |
1.570,44 |
1.607,16 |
| 67 |
1.603,42 |
1.640,91 |
| 68 |
1.637,09 |
1.675,37 |
| 69 |
1.671,47 |
1.710,55 |
| 70 |
1.706,57 |
1.746,47 |
| 71 |
1.742,41 |
1.783,15 |
| 72 |
1.779,00 |
1.820,60 |
| 73 |
1.816,36 |
1.858,83 |
| 74 |
1.854,50 |
1.897,86 |
| 75 |
1.893,45 |
1.937,72 |
| 76 |
1.933,21 |
1.978,41 |
| 77 |
1.973,81 |
2.019,96 |
| 78 |
2.015,26 |
2.062,38 |
| 79 |
2.057,58 |
2.105,69 |
| 80 |
2.100,79 |
2.149,91 |
| 81 |
2.144,90 |
2.195,05 |
| 82 |
2.189,95 |
2.241,15 |
| 83 |
2.235,93 |
2.288,21 |
| 84 |
2.282,89 |
2.336,27 |
| 85 |
2.330,83 |
2.385,33 |
| 86 |
2.379,78 |
2.435,42 |
| 87 |
2.429,75 |
2.486,56 |
| 88 |
2.480,78 |
2.538,78 |
| 89 |
2.532,87 |
2.592,10 |
|
|
48.363,02 |
49.493,84 |
**) RV70 = Basisrenten-Tarif der ALTE LEIPZIGER, 2 % jährliche Rentensteigerung, monatliche Rentenzahlungsweise
Hinterbliebenenversorgung
| Jahre Mindestlaufzeit/Rentengarantiezeit (MLZ) |
22 |
| Todesfallschutz vor Rentenbeginn - Verrentung von ca. |
31.880,00 |
| Todesfallschutz während MLZ |
Verrentung Barwert |
|
der bis Ende MLZ |
|
ausstehenden Rentenraten |
| bei Tod im Jahre 2012 Verrentung von ca. |
25.756,00 |
*) einen ausführlichen Vorschlag erhalten Sie auf Wunsch
Wie sich die 1/5-Regelung plus oder ohne „Rürup-Förderung“ in Ihrem konkreten Fall auszahlt, können wir gerne in Zusammenarbeit mit Ihrem Steuerberater prüfen.
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